Die Geschichte des Matcha Tees

Um den sogenannten Espresso unter den Grünen Tees ranken sich viele Mythen und Legenden. Erfahren Sie alles über die spannende Geschichte des Matchas, welcher die geistige Elite, die betuchte Oberschicht und die Samurai gleichermaßen überzeugte.

Matcha Geschichte

Im Reich der Mitte begegneten sich die Strömungen des Daoismus und Buddhismus

Im alten China beobachtete man schon früh die Gegebenheiten  der Natur und ihren Einfluss auf das mensch­liche Wesen. So wurde um das Jahr 620 nach Christus der Daoismus geboren. Gemäß dieser Lehre, sollte der Mensch zur Erlangung von Glück mit dem Dao – dem „Lauf der Welt“ – im Einklang leben. Zu dieser Zeit gesellte sich aus Indien der Buddhismus als zweite dominierende intellektuelle Strömung hinzu.

Gemäß dem daoistischen und buddhistischem Denken lag der wichtigste Ansatz­punkt für das Wohl des Menschen in der Pflege der „Mitte“, also einer geregelten und guten Ernährung sowie der Meditation. So ist es nicht verwunderlich, dass ambitionierte Mönche schon früh mit den unterschiedlichsten Pflanzen experimentierten und deren Wirkung auf die menschliche Gesundheit erforschten. Verschiedenste Pflanzenteile wurden getrocknet, zu Pulver vermahlen, mit Wasser vermischt und als Heiltrank gereicht.

In den Klöstern entwickelte man das Wellness-Getränk des Mittelalters

Es dauerte nicht lange, bis Chan-Mönche im Laufe Ihrer Experimente auf  die harmonisierenden und vitalisierenden Wirkungen des Grünen Tees aufmerksam wurden. Zunächst wurde der Tee in erster Linie zu medizinischen Zwecken verwendet.

Doch schon wenig später bemerkten die Mönche, wie sehr das Getränk ihren Geist zu beleben vermochte und ihnen längere Wachphasen ermöglichte. Dies muss ihnen wohl wie ein Geschenk des Himmels vorgekommen sein. Denn damals wie heute prägen stundenlange Meditationen im Lotussitz den Alltag eines jeden pflichtbewußten Novizen. Und während der Meditation einfach einzuschlafen, war natürlich keine valide Option.

Matcha trat seinen Siegeszug in Fernost an

Wir wagen einen Sprung in das Jahr 960 nach Christus. Die Kunde um den jadegrünen Wellness-Trend war längst zu breiten Teilen der Bevölkerung vorgedrungen und sorgte dort für eine große Welle der Begeisterung.

Auch die Art der Zubereitung wurde weiterentwickelt. Mittlerweile schlug man das Teepulver in flachen Porzellanschalen mittels eines Bambusbesen schaumig.

Geschichte des Matcha

Verschiedene Tee-Anbaugebiete warben in regelrechten Matcha-Wettkämpfen um die Gunst des Kaisers.  Im Zentrum dieser Wettbewerbe stand der Schaum, welcher sich nach kräftigem Schlagen auf der Oberfläche des Getränks bildet. Möglichst hell, die komplette Oberfläche bedeckend und langanhaltend sollte er sein.

Literaten aus Chinas Intelektuellen-Szene trafen sich, um sich immer neue Gedichte rund um den Tee auszudenken. Auch in der Bevölkerung erfreute sich der  Schaumschläger großer Beliebtheit. Ausgiebige Matcha-Bankette wurden veranstaltet. Neben dem Getränk wurden auch gerne Beilagen, wie süße Desserts, Obst und Kuchen gereicht.

In Japan empfand man die chinesiche Kultur als große Quelle der Inspiration

Möglicherweise fragen Sie sich, warum dieser Artikel bisher nur die Geschichte des Matchas in China thematisiert. Gehen die meisten Leute heute doch davon aus, dass Matcha aus Japan kommt. Das Land hat heute ebenso wie China eine enge Beziehung zu dem exklusiven Grüntee. In der Geschichte des Tees trat Japan jedoch erst viel später auf den Plan.

Während der Epoche der Nara- und Heian-Zeit – also zwischen den Jahren 794 bis 1194 nach Christus – gab es intensive Handelsbeziehungen zwischen Japan und China. Damals war es üblich, dass führende buddhistische Geistliche japanische Gesandte auf deren Reisen begleiteten. Außerdem prägte die chinesische Tang-Dynastie die Japaner und das Land übernahm nicht wenige der chinesischen Kulturtraditionen. Auch heute finden sich noch viele Anteile aus der chinesischen Tang-Dynastie in Japan – sei es bei den Schriftzeichen, in der Architektur oder eben beim Thema Essen und Trinken.

Japan Matcha

Myoan Eisai legte den Grundstein für den japanischen Hype um den Matcha

Es muss wohl um das Jahr 1190 gewesen sein, als ein einflussreicher japanischer Mönch namens Myoan Eisai seine Reise in das Land der aufgehenden Sonne antrat. Dort lernte er den chinesischen Zen-Buddhismus, die Praktiken der Meditation und die damit eng verwobene Tradition des Matcha-Trinkens kennen. Er war von all dem so  angetan, dass er bei seiner Heimkehr einige Grünteesträucher nach Japan brachte. Von da an soll er den Rest seines Lebens der Verbreitung des Zen-Buddhismus und dem professionellen Anbau von  Matchatee gewidmet haben.

Es dauerte nicht lange, bis der grüne Trendsetter auch unter den japanischen Mönchen großen Anklang fand. Auch sie begeisterten sich für seine aufputschende Wirkung und nutzten Matcha zur Unterstützung langer Meditationen. Dies sprach sich auch bei den japanischen Samurai-Kriegern herum. Und selbst die höhere Kasten waren vom dem Getränk ziemlich angetan und kultivierten den Tee bald auf ihren ersten Plantagen in Japan.

Durch die Jahrhunderte professionalisierte man die Techniken und Methoden des  Anbaus immer weiter. Wodurch auch die Qualität des Matchatees auf der japanischen Inselkette immer weiter zunahm.

China entdeckt „seinen Matcha“ neu

In China, dem Geburtsland des Matchas, zeigte sich jedoch ein ganz gegensätzliches Bild. Im Laufe der Zeit feierte man dort nämlich immer komplexere und ausschweifendere Teezeremonien. Dem damaligen Kaiser Hongwu, war dieser Brauch jedoch ein Dorn im Auge. Er vertrat die Ansicht, dass die aufwändige Herstellung von Tee in unverhältnismäßiger Weise „die Kräfte des Volkes überfordere“. Daher gebot er im Jahre 1391, dass getrocknete Teeblätter fortan ohne aufwendige Verarbeitung aufgegossen werden sollten.

Dieser Schritt hat maßgeblich zur Entwicklung der vielfältigen Teesorten in China beigetragen. Experten befassten sich von nun an mit Fermentations- und Rösttechniken von Teeblättern und erfanden die Teekanne. Dennoch hatte der Beschluss zur Folge, dass die „Ära des Pulvertees“ in China mit der Zeit in Vergessenheit geriet.

Erst in der jüngeren Vergangenheit besinnt man sich im Land der aufgehenden Sonne wieder auf  die vergessene Teesorte. Einige Produzenten bauen sie mittlerweile wieder verstärkt an. Beispiele finden sich in der Provinz Zhejiang und in Fujian. Und auch die Wissenschaft interessiert sich für die althergebrachte Pflanze. Forscher der Universität Zhejiang erforschen seit geraumer Zeit die Wirkung und die Inhaltsstoffe von Matcha Tee.

Sie möchten wissen, warum Matcha so teuer ist und was den Tee so einzigartig macht? Im nächsten Artikel erfahren Sie alles über die Herstellung von Matchatee.

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Chinesische_Teekultur
https://de.wikipedia.org/wiki/Matcha
https://de.wikipedia.org/wiki/Buddhismus